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bd | stvo.de - 21.04.2016

AppWegeHeld“ übernimmt Politessen-Dienst

Wer sich mit dem Fahrrad durch die Großstadt bewegt, fühlt sich häufig vom Radweg abgedrängt, übersehen oder schlichtweg ignoriert. Nicht nur enge und unvorhersehbar endende Radwege tragen dazu bei, sondern vor allem Falschparker. Denn wo Parkplätze rar sind, wird vielfach nach Gusto geparkt. Teilweise reihen sich gleich mehrere Fahrzeuge auf den Rad- oder Gehwegen auf. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern vor allem gefährlich. Allein in Berlin sind 2014 laut Polizeistatistik bei 7.700 Unfällen mit Radfahrerbeteiligung 12 Menschen getötet und 639 schwer verletzt worden. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Doch so selbstverständlich das Falschparken zum Massenphänomen geworden ist, so wenig sind Ordnungsämter in der Lage, dem Bedarf nachzukommen. Nun wird die App „WegeHeld“ zur Waffe der Gebeutelten.


Falschparker anonym anzeigen
Mithilfe der App kann jeder Verkehrsteilnehmer anonymisiert Falschparker und rücksichtslose Autofahrer beim Ordnungsamt anzeigen sowie im Internet veröffentlichen, mit Foto und Kommentar. WegeHeld ist ein Dienst der Berliner Agentur für clevere Städte UG, Geschäftsführer ist Heinrich Strößenreuther. Der Wirtschaftsinformatiker hat sich dem Verkehrs- und Klimaschutz verschrieben.


App zählt Vielfalt an Delikten
Mit der App lässt sich eine Vielfalt von Delikten registrieren, darunter das Stehen auf dem Rad- oder Gehweg, dem Behinderten-Parkplatz oder dem Fußgängerüberweg. Weitere Delikte umfassen das Zuparken von Feuerwehrzufahrten, Ein- und Ausfahrten und Bordsteinabsenkungen. Auch beim Stehen in zweiter Reihe, im absoluten oder eingeschränkten Halteverbot, im Kreuzungsbereich oder auf der Bus-Spur kommt die App zum Einsatz. Selbst das Hupen, Schimpfen oder Beleidigen kann angezeigt werden. Vor allem Radfahrer nutzen die Möglichkeit. Seit dem Start im März 2014 wurde sie mehrere tausend Mal heruntergeladen, die Meldungen nehmen entsprechend zu.


Veröffentlichen im Netz ist rechtlich erlaubt
Rechtlich ist das Veröffentlichen der Verkehrssünden im Netz erlaubt: Lediglich das Kennzeichen muss geschwärzt werden, unbeteiligte Personen oder Fahrzeuge dürfen nicht erkennbar sein, so die Deutsche Anwaltsauskunft. Firmenaufdrucke auf dem Fahrzeug dagegen können bleiben. Für die offizielle Meldung bei den Ämtern automatisiert die Smartphone-App bereits vorhandene Anzeigewege.


Weiterverfolgt werden aber lediglich gravierende Verstöße, andere fallen unter den Tisch, denn die Kapazitäten der Behörden sind begrenzt. Die Macher der App werfen den städtischen Ordnungsämtern deshalb vor, Falschparker nicht konsequent genug zu verfolgen: „In Berlin, Köln, Düsseldorf, München, überall wird von den Ordnungsämtern zugeschaut, das muss sich ändern. Sie müssen endlich den Job machen, für den wir sie als Steuerzahler bezahlen“, sagt Strößenreuther.


Denunziantentum oder Notwehr
Immerhin nehme Falschparken Anderen die Freiheit, sicher und ungehindert von A nach B zu kommen, schreiben Unterstützer der App in einem Statement. Zugeparkte Rad- und Gehwege seien kein Kavaliersdelikt, sondern eine rücksichtslose Gefährdung und Behinderung für Kinder, Ältere, Rollstuhlfahrer, Radler, Eltern mit Kinderwagen, Notarztwagen und Busfahrer. „Mit dieser App greifen wir aktiv in den Flächenkonflikt zwischen falschparkenden Autofahrern und allen anderen Verkehrsteilnehmern ein“, so das Unternehmen. „Prangern, Melden, Denunziantentum, wie man will, das ist Notwehr.“


Der Weg zum Hilfspolizisten
Wer über die App hinaus gegen Falschparker aktiv werden will, dem bleibt der offizielle Weg: In jeder Gemeinde oder Stadt wacht mindestens ein Ordnungsamt über die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Eine Stelle als Politesse ist vielfältig, interessant und besonders für Quereinsteiger geeignet, da spezielle Kenntnisse gefordert sind. Die Hilfspolizisten sind täglich zu Fuß unterwegs, müssen also gesundheitlich fit sein und in der Auseinandersetzung mit Verkehrssündern über ein ausgeglichenes Gemüt verfügen. Sie sind meist im Schichtdienst unterwegs und nur mäßig bezahlt. Die Ausbildung aber ist durchaus interessant und umfasst die Themen Verkehrsrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht, Erste-Hilfe, psychologische Schulung und Stadtkunde sowie Präventiv- und Deeskalationstraining.

Für eine entsprechende Bewerbung wendet man sich am besten an die örtlichen Polizei- oder Stadtverwaltungen und fragt gezielt nach freien Stellen in der Verkehrsüberwachung. Als Alternative bietet sich die Jobsuche über Online-Stellenportale an.